Blick auf Murazzano
Ort in der Alta Langa

Murazzano

Piazza, alte Fassaden,
weite Blicke über die Hügel.

Ort Notizen Geschichten Karte
Dorfzentrum

Murazzano

Wer sich Murazzano nähert, sieht den Ort schon von Weitem.

Ein Turm erhebt sich über den Hügel. Darunter schmiegen sich die Häuser dicht aneinander. Von der ehemaligen Burg ist nur noch dieser Turm geblieben, der seit dem 13. Jahrhundert über den Ort wacht. Wegen seiner Lage auf 749 Metern über dem Meer wurde Murazzano einst „scudo e chiave del Piemonte“ genannt: Schild und Schlüssel des Piemont. Wenn man Murazzano aus der Ferne sieht, versteht man warum.

Als wir 2011 zum ersten Mal hier ankamen, wussten wir kaum etwas über das Piemont. Dabei hatten wir den Wein dieser Region in Deutschland schon viele Jahre getrunken. Murazzano war einfach ein Name auf einer Landkarte und ein Ferienappartement in der kleinen Frazione Lovera.

Dass daraus einmal unser Zuhause werden würde, hätten wir damals nicht geglaubt.

Was uns sofort auffiel, war nicht der Turm. Es war die Ruhe. Das Gefühl, dass die Zeit hier langsamer vergeht. Fünfzehn Jahre später stehen viele Dinge noch immer an ihrem Platz. Die Piazza. Das Café. Die Osterien. Die schmalen Gassen. Murazzano verändert sich, aber niemals hastig.

Terrasse in Murazzano

Das Herz des Dorfes ist die Piazza.

Morgens fällt die Sonne schräg zwischen die Häuser. Noch bevor viele Geschäfte öffnen, treffen sich Handwerker und Arbeiter auf einen schnellen Caffè. Es wird über das Wetter gesprochen, über Fußball, über Autos und natürlich über das Essen. Politik scheint hier weniger wichtig zu sein als das, was heute auf den Tisch kommt.

Gegen Mittag füllen sich die Osterien. Menschen aus den umliegenden Dörfern kommen zum Essen nach Murazzano. Wer Zeit hat, bleibt noch auf einen Espresso.

Am Abend beginnt der Aperitivo. Manche sitzen vor der Bar, andere vor der Pasticceria am Ortseingang. Die Gespräche drehen sich um den Tag, um Bekannte und um das Dorf. Über Arbeit spricht hier kaum jemand.

Piazza und Häuser in Murazzano
Gasse in Murazzano

Wer häufiger nach Murazzano kommt, merkt schnell, dass sich fast alles auf wenigen Metern abspielt.

Geht man zum Bäcker, grüßt man jeden, der einem begegnet.

„Ciao.“
Ein paar Schritte weiter.
„Ciao.“
Noch einmal.
„Ciao.“

Und auf dem Rückweg beginnt alles von vorn.

Vor dem Gianduja sitzen morgens oft dieselben Männer mit dem Rücken an der Hauswand. Sie beobachten nicht neugierig, sondern aufmerksam. Sie wissen, wer kommt, wer geht und wer heute fehlt. Irgendwann erkennt man auch selbst die vertrauten Gesichter.

Unsere Wege führen fast jeden Tag aus dem Dorf hinaus nach Lovera.

Etwa drei Kilometer ist die Straße lang. Früher brachte sie uns vom Ferienappartement nach Murazzano. Heute laufen wir sie noch immer fast täglich. Links öffnen sich die Hügel der Alta Langa, dahinter die Poebene und an klaren Tagen die Alpen. Am schönsten ist dieser Weg am Abend, wenn die Sonne langsam hinter dem Monviso verschwindet.

Spaziergang bei Murazzano

Auch der kleine Lebensmittelladen gehört für uns zu Murazzano.

Romina und Sabrina backen dort ihr Brot selbst. Der Backofen liegt am anderen Ende der Piazza. Wer früh unterwegs ist, riecht schon gegen fünf Uhr morgens das frische Brot, noch bevor das Dorf richtig erwacht.

Murazzano verändert sich mit den Jahreszeiten.

Im Frühling wird gestrichen, repariert und vorbereitet.

Im Sommer lebt das Dorf draußen. Trotz der warmen Tage bringt die Höhe fast immer einen Wind mit sich. Im Juli und August folgt ein Fest auf das nächste. Wenn der August voranschreitet, sagen die Menschen im Ort lächelnd: „Jetzt wird es kalt.“ Und tatsächlich werden die Abende dann langsam frischer.

Winter in Murazzano

Im August werden die Haselnüsse geerntet. Die Weinlese folgt von August bis Oktober. Die Hügel färben sich in warmen Tönen, und überall wird gearbeitet.

Im Winter riecht Murazzano nach Holzfeuer. Nebel kann das Dorf tagelang einhüllen, bis plötzlich Schnee fällt. Er bleibt oft nicht lange liegen. Doch auf den Bergen Richtung Ligurien leuchten die Gipfel weiß.

Auch hören kann man Murazzano.

Drei Kirchtürme läuten ihre Glocken leicht versetzt, sodass jede ihren eigenen Klang behält.

Freitagmorgen kündigt sich schon früh an. Gegen sechs Uhr kämpfen sich die Marktwagen durch die enge Via Roma. Wer sein Auto auf der Piazza vergessen hat, wird freundlich, aber bestimmt daran erinnert.

Und über allem liegt das Klirren der Tassen aus der Bar.

Neulich waren wir für ein paar Tage in Deutschland.

Am vierten Tag sagte meine Frau ganz selbstverständlich:

„Morgen fahren wir nach Hause.“

Wir sahen uns kurz an.

Früher war Deutschland unser Zuhause und Murazzano der Urlaub.

Irgendwann hatte sich das verändert.

Ohne dass wir genau sagen könnten, wann.

Geschichten aus Murazzano

Alles, was zu diesem Ort erzählt ist, sammelt sich hier. Murazzano beginnt mit Geschichten von der Piazza, aus den Gassen, aus einem Haus im historischen Ortskern und von Orten am Rand des Dorfes.

Blick über die Dächer von Murazzano in die Alta Langa
Geschichte

Case da Vivere

Ein Fenster zur Straße, die Glocken am Morgen und eine Tür, die man früher oder später offen zu lassen lernt.

Servodigitale in Murazzano
Geschichte

Servodigitale

Ein Fenster zur Piazza. Draußen spielt das Dorf, drinnen entstehen kleine Änderungen, die später jemandem den Weg zeigen.

Tennisplatz in Murazzano
Geschichte

Tennisplatz

Ein Platz, auf dem nicht nur Tennis gespielt wird, sondern Jahr für Jahr Erinnerungen entstehen.

Torneo RoLanga Ross am Campo Comunale G. Giacheri in Murazzano
Luglio - agosto

Torneo RoLanga Ross

Jeden Sommer treffen sich hier Spieler, Zuschauer und Freunde zu einer Woche voller Tennis.

Karte

Murazzano auf der Karte

Die zentrale Karte zeigt Orte und Geschichten der Alta Langa. Murazzano ist einer der ersten Punkte.

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